Denkmalpflegerische Maßnahmen am Pfarrhaus

Auch wenn das Pfarrhaus weithin sichtbar als Fachwerkbau auszumachen ist, besteht das Gebäude im Erdgeschoss nahezu vollständig aus gemauerten Natursteinwänden. An zahlreichen Bereichen, wie den Gebäudeecken oder den Fenster- und Türleibungen sind Sandsteine als Zier- und Gliederungselemente sichtbar verbaut. Während der Abbrucharbeiten hat sich gezeigt, dass sich sogar unter dem neuzeitlichen Estrich des Erdgeschosses der bauzeitliche Sandsteinboden erhalten hat. Beeindruckt vom Zustand und Erscheinungsbild dieses  Plattenbodens wurde zwischen Bauherrschaft und Architekt entschieden, diesen charakteristischen Bodenbelag zu erhalten, vollständig freizulegen und für die zukünftige Nutzung aufzuarbeiten.

Über die Jahrhunderte haben die Werksteine im In- und Außenbereich den Witterungseinflüssen standhalten müssen und daher auch mancherlei Schäden erlitten. Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten werden die beschädigten Sandsteine ausgebessert, wenn nötig ausgetauscht.

Aktuell werden am Pfarrhaus die beschriebenen Steinmetzarbeiten ausgeführt. Im Vorfeld dieser Arbeiten wurde durch den Architekten festgestellt, dass es sich bei dem am Pfarrhaus verbauten Material um Sandstein aus dem Nachbarort Waldenbuch handelt, wo zur Bauzeit ein großer und weithin bekannter Steinbruch bestand, der für sein hochwertiges Baumaterial geschätzt wurde.

Bis heute wird in Waldenbuch Sandstein abgebaut, sodass sich für unsere Maßnahmen die Möglichkeit bot, das benötigte Baumaterial, wie ursprünglich beim Bau des Gebäudes direkt aus der Nachbarschaft zu beziehen. Nicht nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ein interessanter Sachverhalt, auch garantiert die Bezugsquelle, dass sich die neuen Steine harmonisch in das Bestandsbild einfügen lassen.

Als zentrales Bestandteil des Umbaus soll im Erdgeschoss des Pfarrhauses, barrierefrei erreichbar, das neue Pfarramt entstehen. Um in den ehemaligen Stall- und Lagerräumen eine bessere Belichtungssituation zu erreichen, werden aktuell zwei neue Fensteröffnungen hergestellt. In ihrem Erscheinungsbild sollen diese zusätzlichen Fenster dem historischen Bestand möglichst identisch entsprechen. Folglich werden auch die Fenstergewände der Öffnungen, aus Waldenbucher Sandstein hergestellt.

Um das neue Material auch im Farbton möglichst identisch zum Bestandsgestein zu erhalten, fand im Steinbruch eine Vor-Ort-Termin mit Bauherrschaft, Architekt und Steinmetz statt, um die zu verwendenden Steine auszuwählen. Die erwählten Felsbrocken werden in diesen Tagen in die grobe Form gesägt, um dann noch vor den Sommerferien durch die Steinmetzen im Gebäude verbaut zu werden. ...

Heinrich Hegger, Bauausschuss;
Dr. Nikolai Ziegler; Architekt

Juni 2020