Die Konfirmanden entdecken den Friedhof

Am 2. Dezember war eine ganz besondere Konfistunde. Bestatter Simon Brosig empfing die Konfirmanden am Eingang des Musberger Friedhofs. Nach einer kurzen Einführung von Pfarrer Balles, führte Brosig die Jugendlichen über den Friedhof. Er zeigte das anonyme Grabfeld, welches erst kürzlich angelegt worden war. Er erzählte von „Stockbett-Gräbern“, in denen zwei Personen übereinander bestattet werden, um sich ein Grab zu teilen.
Die Konfirmanden lernten ganz grundlegend, was eine Urne überhaupt ist – und dass das, was viele für eine Urne halten eigentlich eine „Überurne“ ist und gar nicht die eigentliche Urne. Ein Erstaunen ging durch die Gruppe, als Brosig erzählte, dass heute ca. 80 von 100 Personen in einer Urne „Feuer-bestattet“ werden und nicht mehr klassisch in einem Sarg. Auch die Grabpflege wird zunehmend zur Herausforderung für Angehörige, weshalb Brosig stolz auf das neue Kolumbarium verwies, eine Wand mit Nischen für Urnen.
Nachdenklich wurde die Gruppe insbesondere bei den Kindergräbern. Wie kann das sein, dass Kinder so früh sterben müssen? Erleichternd zumindest, dass der frühe Tod von Kindern in unserer Gesellschaft heute etwas sehr Seltenes geworden ist.
Da es kalt war und dunkel wurde, begab die Gruppe sich in die beleuchtete Aussegnungshalle. Dort war es warm und die Konfirmanden konnten mit Abstand Platz nehmen. Brosig stand nun Rede und Antwort. Alle Fragen zu Tod, Sterben und Bestatter-Dasein waren erlaubt: „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“, „Wie riecht eine Leiche?“, „Wird man nicht ‚depri‘, wenn man sich so viel mit dem Tod beschäftigt?“.
Nach diesen schweren Fragen und dem – doch auch – bedrückenden Thema, war es wichtig, das Erlebte am Ende noch vor Gott zu bringen. So wurden Kerzen angezündet. Nach einem Moment der Stille sprach Pfarrer Balles ein Gebet, mit welchem die Gruppe ihre Gefühle und Erlebnisse in Gottes Hände legte, um frohen Mutes den Nachhauseweg antreten zu können.
Auf freiwilliger Basis begab sich etwa die Hälfte der Gruppe im Anschluss noch in das Büro von Simon Brosig, begutachtete Urnen und Särge aus nächster Nähe und lernte die Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen kennen.
Ein sehr eindrücklicher Nachmittag. Herzlichen Dank an Simon Brosig. Dieser Nachmittag wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben!