Die Dreifaltigkeitskirche

Schlussstein, Orgel, Kanzelfenster, Chorfenster mit Kruzifix, Südfenster uind Glocken

Der Kirchenbau
Die Kirche ist ganz aus Holz in Riegel gemauert (Fachwerkbau) und ist 50 Fuß lang, 28 Fuß breit und bis zum Dach 15 Fuß hoch, ungefähr 14 x 7 x 5 m.

Der Schlussstein
Im Chorraum der Kirche ist das älteste Geschichtsdenkmal zur Musberger Kirchen- und Ortsgeschichte zu finden. Es handelt sich um den Schlußstein des Rippengewölbes. Drei ineinander verschlungene Fische, zwei Hirschstangen und die Buchstaben LDW sind auf dem Stein angeordnet. Die Buchstaben LDW stehen für Ludovicus Dux Wirtembergiae und also Ludwig Herzog von Württemberg. Der Stein ist somit auf das Jahr 1569/70 datierbar. Die Abbildungen auf dem Stein lassen deutlich eine gewisse Anlehnung an das Wappen des württembergischen Landesherrn erkennen (drei Hirschstangen und die zwei Mömpelgarder Fische). Andererseits geschieht wohl mit Absicht eine Neuzusammensetzung der Symbole. Diese Umgestaltung des Württemberger Wappens zeugt sowohl von Anerkennung als auch von kritischer Distanz zur weltlichen Obrigkeit. Der Schlussstein ist eher ein Glaubensbekenntnis als ein Treuebekenntnis zum Landesherren. Drei Fische, zumal ineinander verschlungene, sind seit der frühesten Christenheit das Zeichen für die Dreieinigkeit: Gott in seiner Einheit und Vielheit als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Fisch ist neben dem Kreuz wohl das bekannteste Symbol für Jesus Christus und Erkennungszeichen schon für die Christen im alten Rom.

Die Orgel
Anstelle eines älteren, sehr bescheidenen und durch Alter und Kriegsschäden unbrauchbar gewordenen Instrumentes wurde im Frühjahr 1960 eine neue Orgel auf der Empore aufgestellt. Neben dem Hauptwerk an der Rückwand der Orgelempore besitzt sie ein an der Emporenbrüstung hinausragendes Rückpositiv.

Das Kanzelfenster
Das aus dem Jahr 1963 stammende Fenster an der Nordseite der Kirche zeigt Szenen der Auferstehung: die Weissagung des Propheten Hesekiel von der Auferstehung der Totengebeine (Hesekiel 37,3-5) und darüber die Auferstehung Jesu Christi in der Deutung von 1. Korinther 15,12-14.

 

Das Chorfenster
Gestaltet von Hans Gottfried von Stockhausen Anfang der 60er Jahre. An der Spitze das Auge Gottes umgeben von 4 Seraphim (Jesaja 6), dargestellt als fliegende Heerscharen ohne Körper. An beiden Seiten 8 Kerubim, mit rot leuchtenden Flügeln, dem Symbol der ewigen Liebe Gottes zur Welt. Unterhalb des Auge Gottes die Taube als Symbol für den Heilgen Geist und den zwölf Zungen aus Apostelgeschichte 2. Das Pfingstgeschehen, der Beginn der Kirche Jesu Christi, steht damit im Mittelpunkt. Auf den beiden unteren Feldern finden sich der neugeborene Jesus auf dem Schoß seiner Mutter Maria und darüber die Szene der Kreuzabnahme, bei der der tote Sohn in den Armen seiner Mutter liegt.

Das Südfenster
Gestaltet von Frau Akire E. Megyeri im Jahr 2005, die dazu schreibt: „Ausgangspunkt meiner künstlerischen Gestaltung waren die Zitate: ´Der Tag an dem der Heilige Geist über die Jünger ausgegossen wurde, war der Geburtstag der Kirche“ und „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Meine Absicht kompositorisch übertragen: Die Blickführung ist von unten links nach oben rechts, von den Stiftern (ohne die das Glasfenster nicht entstanden wäre), zu unserer christlichen Gemeinde im Bildmittelpunkt. Gleichzeitig habe ich die Entwicklung vom Tempel von Jerusalem zur heutigen Kirche durch Überlagerung, Schichtung, von unten nach oben dargestellt. Absicht war auch die unterschiedlich abgeschwächte, teilweise verschwommene Darstellung der zwölf gestalten, um die zeitliche Dimension anzudeuten.“

Die Glocken
Wir besitzen 3 Glocken, die auf die Töne e´, h´ und cis´ gestimmt sind. Wenn sie alle gemeinsam erklingen laden sie entweder zu einem Gottesdienst ein, oder sie läuten einen Festtag ein.
Morgens um 7.00 Uhr läutet die “Betglocke”. Sie ist die größte unter den dreien. Ihr sind die Worte eingegossen: “Ehre sei Gott in der Höhe”. Ihr Symbol ist die Dreieinigkeit.
Die mittlere Glocke ist die “Auferstehungsglocke”. Sie trägt die Aufschrift: “Ich bin die Auferstehung und das Leben”. Ihr Symbol ist Christus, das Licht der Welt. Sie läutet um 12.00 Uhr. Um 15.00 Uhr erinnert ihr Ruf an die Todesstunde Jesu.
Die dritte und kleinste Glocke ist die “Taufglocke”. Wenn sie während der Taufhandlung geläutet wird, sprechen zu uns die auf ihr eingeschriebenen Worte: “Lasset die Kindlein zu mir kommen”.
Kirchturm und Glockenstuhl können nach Terminabsprache mit dem Pfarramt gerne besichtigt werden.

 

Das Kruzifix
Der Corpus aus Lindenholz stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ist höchstwahrscheinlich eine schwäbisch-fränkische, sicher aber eine süddeutsche Holzbildhauerarbeit. Er wurde 1962 in einer Stuttgarter Kunstgalerie entdeckt und nach Restaurierungsarbeiten am Pfingstsonntag 1962 im Chorraum angebracht.

Die Erneuerungsurkunde
Eine Kopie der gravierten und ziselierten Feinzinntafel zur Erinnerung an die Kirchenerneuerung des Jahres 1682 befindet sich in der Sakristei. Vermutlich wurde sie vom auf der Tafel genannten Ortspfarrer Magister Johann Eisenbach verfasst und von Stuttgarter Zinngießer graviert.

Übersetzung von Oberstudiendirektor Dr. Walter Haussmann:
Merk auf, o Leser!
Vollendet steht dies Gotteshaus,
im Jahre 1682 in sechs Monaten
von Grund auf erneuert,
dem dreieinigen höchsten Gott geweiht,
auf des durchlauchtigsten Herzogs von Württemberg
Friedrich Karl
gnädigen Befehl
dank der Freigebigkeit mehrerer frommer Spender
(deren Namen einzeln verzeichnet sind)
dank der höchst unermüdlichen Fürsorge
von M. Joh. Jacob Müller, Dekan
und
Joh. Valentin Moser, Vogt in Stuttgart,
unter der wachsamen Amtsführung des derzeitigen Pfarrers
M. Johann Eisenbach
und endlich mit beträchtlicher Hilfe der Gemeinde
glücklich vollendet!
Ihr,
Bürger, Hörer des Worts, ihr alle,
strömt zusammen,
und dass dieses heilige Gebäude
ohne Einsturz des Bauwerks,
ohne Verderbnis der reinen Lehre,
solange die Welt steht, bestehe für immer.
Den höchsten Herrn der kirche, Jehova,
flehet an
und ehret!