Die Dokumentation zu den Sanierungsarbeiten am Musberger Pfarrhaus

Alle Artikel über die Sanierung des Pfarrhauses sind hier der Reihe nach aufgelistet. So kann die Entwicklung des Bauprojektes Schritt für Schritt nachvollzogen werden.

März 2021

Auch in der kalten Jahreszeit geht es voran

Während die kalte Jahreszeit uns besinnliche und gemütliche Stunden schenkt, stellt der Winter für den Baufortschritt am Pfarrhaus eine besondere Herausforderung dar. Unter 5 Grad werden auf Baustellen im Außenbereich keine Arbeiten ausgeführt. Zudem gehen von den niedrigen Temperaturen, häufig in Verbindung mit Niederschlag für das im Umbau befindliche Baudenkmal Gefahren aus. Um die sensible Bausubstanz des derzeit nicht beheizten Gebäudes vor Witterungseinflüssen zu schützen wurde das Pfarrhaus neben der Dachbespannung auch an den Fassaden mit Folien verschlossen. Nicht zuletzt deshalb ließ sich der Fortschritt in den letzten Wochen kaum beobachten. Dennoch wurden die Arbeiten, soweit es die Witterung zu gelassen hat, fortgeführt.
 
Die bereits im letzten Jahr begonnene, umfangreiche Instandsetzung des Fachwerks wurde fortgeführt und konnte im Februar abgeschlossen werden. Den letzten Abschnitt der Fachwerksanierung hatten Arbeiten am Ostgiebel gebildet, der von Holzwurm, Borkenkäfer und Pilzen schwerwiegend Befallen war und in weiten Teilen neu errichtet werden musste. Wie es die Erhaltungssatzung des Denkmalschutzes vorsieht wurde das historische Holz, wo immer es möglich war erhalten, während irreparabel geschädigte Balken ausgetauscht wurden. Nachdem das Fachwerk nun wieder seine statische Funktion erfüllen kann, werden in den nächsten Wochen die Böden geschlossen, sodass daraufhin die Ausmauerung der Gefache stattfinden kann. Gemäß historischem Vorbild kommen hierfür Lehmziegel zum Einsatz. Sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, wird die Instandsetzung des Dachwerks in Angriff genommen.
 
Im Foyer wurde der bauzeitliche Sandsteinboden, nachdem er unter einer Vielzahl jüngerer Bodenbeläge Jahrhunderte unentdeckt überdauert hatte, durch Steinrestauratoren freigelegt und instandgesetzt. Gebrochene Sandsteinplatten wurden ausgebaut und durch neue Platten ersetzt. Gemäß dem historischen Befund wurden auch die neuen Bodenplatten in Maulbronner Sandstein ausgeführt, sodass die Reparaturen im fertigen Zustand daher kaum mehr wahrzunehmen sind. Die Verformungen des Bodens, der immerhin ein Gefälle von bis zu 3% aufweist, wurden bewusst beibehalten, um den historischen Charakter und Charme des Foyers möglichst authentisch zu erhalten.
 
Umfangreiche Steinmetzarbeiten fanden auch an den Fassaden statt. In der Ost-Mauer des Erdgeschosses wurden die beiden neuen Fenstergewände fertiggestellt. Entsprechend den benachbarten Fenstern erhielten auch die neuen Öffnungen Eisengitter nach historischem Vorbild. Ein besonderer Kraftakt musste für die beiden Podest-Platten mit einem Gewicht von 500 kg und knapp 900 kg geleistet werden, die vor den Hauseingangstüren an der Nord- und Ostseite gelegt wurden. Bis auf wenige kleinere Anpassungen und Korrekturen sind die Steinmetzarbeiten damit abgeschlossen.
 
Während die Instandsetzung des Gebäudes Tag für Tag weiter voranschreitet werden für den Frühsommer die nächsten Meilensteine im Detail geplant. Mit den Fassadenarbeiten im Obergeschoss und dem Einbau der neuen Fenster wird sich dann auch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes noch einmal ganz erheblich entwickeln.
Insofern kleinere Informations-Veranstaltungen bis dahin wieder möglich sein sollten, würden wir uns freuen Sie auf die Baustelle einladen zu können, damit Sie sich auch ein persönliches Bild von den Instandsetzungs- und Umbauarbeiten am Musberger Pfarrhaus machen können.
 
Dr. Nikolai Ziegler, Architekt
Heinrich Hegger, Vorsitzender Bauausschuss

Oktober 2020

Instandsetzung der Tür- und Fenstergewände und des Fachwerkes

Seit mehreren Monaten ist die Sanierung unseres Pfarrhauses in vollem Gange. Während im Erdgeschoss die Steinmetze arbeiten, sind im Obergeschoss die Zimmerleute aktiv. Nach der langen Vorplanung ist auf der Baustelle nun Tag für Tag ein deutlicher Fortschritt zu sehen - es geht voran!

Zur Herstellung der Tür- und Fenstergewände wurden unzählige Sandsteinquader angeliefert. Das grobkörnige, aber sehr witterungsbeständige Baumaterial kommt aus Waldenbuch. Aus exakt demselben Steinbruch, der bereits vor Jahrhunderten die Werksteine zur Errichtung des Gebäudes lieferte. Auch die Kirche und das Fundament der Pfarrscheuer wurden aus Waldenbucher Sandstein errichtet. Für das Instandsetzungskonzept des Pfarrhauses stellt die Verwendung authentischer, regionaler Materialien einen wichtigen Aspekt dar. Daher freut es uns besonders, das denkmalgeschützte Pfarrhaus mit dem Material instandsetzen zu können, das bereits für die Errichtung des Gebäudes verwendet wurde.  
Die gelieferten Sandsteinquader dienen zur Wiederherstellung von beschädigten Fenster- und  Türgewänden, als auch zur Herstellung neuer Podestplatten an den Haustüren. In historischen Bearbeitungstechniken wurden die Werksteine zugerichtet, angepasst und verbaut. Das Ergebnis der Arbeiten lässt sich an der zur Kirche gerichteten Ostfassade des Gebäudes bereits eindrücklich bestaunen.

Ebenfalls sehr komplex stellen sich die Zimmerarbeiten dar. Nach dem Rückbau jüngerer Einbauten zeigte die statisch relevante Baustruktur des Fachwerks, maßgeblich an der Ost- und Westseite, umfangreiche Schadensbilder.
Nach gemeinsamer Begutachtung der schadhaften Bereiche durch Bauherrschaft, Architekt, Zimmermann und Vertreter des Oberkirchenrats, wurden die Schäden als dringend instandsetzungswürdig erkannt. Einvernehmlich wurde beschlossen, die notwendigen Maßnahmen auf die geschädigten Bereiche auszuweiten. Nach der aufsichtsrechtlichen Zustimmung des Oberkirchenrats konnten die Arbeiten unverzüglich fortgesetzt werden. Das Fachwerk auf der Ostseite wurde ausgebaut und die geschädigten Holzbalken ersetzt. Inzwischen ist das Fachwerk der wetterabgewandten Giebelwand wieder eingesetzt und vollumfänglich tragfähig.

Größere Herausforderungen stellt die Verformung des Gebäudes dar. Über die letzten Jahrhunderte hat sich die Südwestecke um ca. 16 cm abgesenkt, wodurch die Fußböden der Pfarrwohnung ein teilweise sehr erhebliches Gefälle aufwiesen. Durch den Einsatz von mehreren Hydraulikpressen wird der Fachwerkaufbau im betroffenen Bereich aktuell zentimeterweise angehoben um die angestrebte Rückverformung herzustellen.

Über die kalten Monate werden die Arbeiten in den Innenbereich verlagert. Hier wird an den neuen Treppen, dem Aufbau der Fußböden, den Wänden und Decken gearbeitet. Im Frühjahr soll dann das Dachwerk instandgesetzt, gelattet und eingedeckt werden, sodass im Sommer 2021 an den Außenfassaden gearbeitet werden kann.

Heinrich Hegger, Bauausschuss

Dr. Nikolai Ziegler, Architekt


Juni 2020

Der Sandstein kommt aus Waldenbuch

Auch wenn das Pfarrhaus weithin sichtbar als Fachwerkbau auszumachen ist, besteht das Gebäude im Erdgeschoss nahezu vollständig aus gemauerten Natursteinwänden. An zahlreichen Bereichen, wie den Gebäudeecken oder den Fenster- und Türleibungen sind Sandsteine als Zier- und Gliederungselemente sichtbar verbaut. Während der Abbrucharbeiten hat zich gezeigt, dass sich sogar unter dem neuzeitlichen Estrich des Erdgeschosses der bauzeitliche Sandsteinboden erhalten hat. Beeindruckt vom Zustand und Erscheinungsbild dieses  Plattenbodens wurde zwischen Bauherrschaft und Architekt entschieden diesen charakteristischen Bodenbelag zu erhalten, vollständig freizulegen und für die zukünftige Nutzung aufzuarbeiten.

Über die Jahrhunderte haben die Werksteine im In- und Außenbereich den Witterungseinflüssen standhalten müssen und daher auch mancherlei Schäden erlitten. Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten werden die beschädigten Sandsteine ausgebessert, wenn nötig  ausgetauscht.
Aktuell werden am Pfarrhaus die beschriebenen Steinmetzarbeiten ausgeführt. Im Vorfeld dieser Arbeiten wurde durch den Architekten festgestellt, dass es sich bei dem am Pfarrhaus verbauten Material um Sandstein aus dem Nachbarort Waldenbuch handelt, wo zur Bauzeit ein großer und weithin bekannter Steinbruch bestand, der maßgeblich für seine qualitätvolles Baumaterial geschätzt wurde. Bis heute wird in Waldenbuch Sandstein abgebaut, sodass sich für unsere Maßnahmen die Möglichkeit bot, das benötigte Baumaterial, wie ursprünglich bei Bau des Gebäudes direkt aus der Nachbarschaft zu beziehen. Nicht nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ein interessanter Sachverhalt, auch garantiert die Bezugsquelle, dass sich die neuen Steine harmonisch in das Bestandsbild einfügen lassen.

Als zentraler Bestandteil des Umbaus soll im Erdgeschoss des Pfarrhauses, barrierefrei erreichbar, das neue Pfarramt entstehen. Um in den ehemaligen Stall- und Lagerräumen eine bessere Belichtungssituation zu erreichen, werden aktuell zwei neue Fensteröffnungen hergestellt. In ihrem Erscheinungsbild sollen diese zusätzlichen Fenster dem historischen Bestand möglichst identisch entsprechen. Folglich werden auch die Fenstergewände der Öffnungen, aus Waldenbucher Sandstein hergestellt. Um das neue Material auch im Farbton möglichst identisch zum Bestandsgestein zu erhalten, fand im Steinbruch eine Vor-Ort-Termin mit Bauherrschaft, Architekt und Steinmetz statt, um die zu verwendenden Steine auszuwählen. Die erwählten Felsbrocken werden in diesen Tagen in die grobe Form gesägt, um dann noch vor den Sommerferien durch die Steinmetzen im Gebäude verbaut zu werden. ...

Heinrich Hegger, Bauausschuss

Dr. Nikolai Ziegler, Architekt

Mai 2020

Der Umbau beginnt

Die Baustelle „Musberger Pfarrhaus“ als erster Teil der Sanierung des Musberger Pfarrhofes, ist im März/April 2020 eingerichtet worden. In den vergangenen Wochen wurde maßgeblich im Innenbereich des Gebäudes gearbeitet. Fußböden, Decken und teilweise auch Wände mussten geöffnet werden, um die alten Deckenbalken und das Fachwerk freizulegen. Damit sind die Innenräume für die Instandsetzung vorbereitet.

Die Arbeiten am Musberger Pfarrhaus gehen voran. Mit dem Aufbau des Gerüstes Ende April hat nicht nur der eigentliche Bau-Auftakt stattgefunden, sondern es wurde auch für alle Bürger ein Fortschritt der Sanierungsarbeiten sichtbar.

Ab Mai werden zunächst die Zimmerer, Rohbauer und Steinmetzen die Arbeit aufnehmen, sodass über den Sommer ein wesentlicher Teil der Maßnahme stattfinden kann. Die Bauanlaufgespräche wurden bereits geführt, um unter anderem die Maßnahmen im Detail zu besprechen und den Einsatz für die einzelnen Gewerke zu koordinieren.

Zunächst werden mit den Deckenbalken und dem Fachwerk die statisch relevanten Bauteile instandgesetzt, anschließend folgt das Dachwerk. Bis zum Herbst sollten die Außenarbeiten weitestgehend abgeschlossen sein, sodass über den Winter an den Innenräumen des Pfarramtes und der Wohnung für den oder die zukünftigen Stelleninhaber gearbeitet werden kann.

Heinrich Hegger, Bauausschuss
Dr. Nikolai Ziegler, Architekt

Oktober 2019

Der Rohbauzustand ist erreicht

„Da passiert doch nichts!“, „Nichts sieht man, außer einem großen Schild.“, „Ob das noch mal was wird?“
So oder so ähnlich können die Reaktionen auf die aktuelle Bausituation in der Ortsmitte Musbergs – unserem Pfarrhof – ausfallen. Doch stimmt das auch?

Ein Blick hinter die Kulissen, respektive die Haustüren, zeigt, dass es vorangeht, auch wenn von außen nicht viel zu sehen ist. In den letzten Wochen wurden das Pfarrhaus und auch das Säle weitestgehend ausgeräumt. Das Pfarrhaus, dessen Renovierung nach den Vorgaben des Oberkirchenrates, der an einer schnellen Wiederbesetzung der vakanten Musberg Pfarrstelle sehr interessiert ist, vorrangig zu betreiben ist, ist in großen Teilen im  Rohbauzustand. Die Maßnahmen sind im Wesentlichen mit den zuständigen Behörden(Stadt und Denkmalschutz) abgestimmt, jetzt kommt der Feinschliff mit der Ausschreibung der einzelnen Gewerke. Die Mulde vor dem Pfarrhaus steht also nicht nur zur Zierde, sondern hat ganz praktischen Nutzen.

Das Säle, für das wir eine genehmigte Planung haben, muss nach den Vorgaben des Oberkirchenrates indes warten. Wir können also nicht beide Vorhaben parallel umsetzen, obwohl dies sicherlich bei einigen Bauphasen sinnvoll wäre. Wir können uns nur in Geduld üben und das Pfarrhaus so schnell wie möglich renovieren, damit wir dann zügig auch das Säleprojekt mit Eifer und Herzblut Wirklichkeit werden lassen.

Bitte begleiten Sie beide Projekte mit Interesse, Gebet und Fürbitte. Auch materielle Unterstützung brauchen beide Gebäude.

Jochen Henrichsmeyer

Februar 2019

Die Planung steht, der Rückbau hat begonnen

Unsere „Pfarrhofsanierung“  wird uns auch in 2019 ein steter Begleiter bleiben. Durch die Pensionierung von Pfarrer Müller zum 1.November des vergangenen Jahres ist zur Sanierung und Wiederbelebung des Säle noch die notwendige Instandsetzung des Pfarrhauses dazugekommen und wir mussten unsere Pläne ändern.

Zur Erinnerung, wir haben bereits eine Baugenehmigung für das Säle, könnten eigentlich mehr oder weniger sofort loslegen. Wenn uns nicht der Oberkirchenrat hier eine neue Reihenfolge vorgibt. Dies bedeutet, dass wir zunächst das Pfarrhaus sanieren, um einer neuen Stelleninhaberin oder Stelleninhaber eine Heimat zu geben. Da der Oberkirchenrat uns bei der Finanzierung beider Vorhaben finanziell unterstützt, haben wir uns im Kirchengemeinderat im Rahmen einer Machbarkeitsstudie überlegt, welche Möglichkeiten wir haben.

Nach intensiven, Gesprächen und Abstimmungsrunden mit dem OKR, der Denkmalpflege und der Stadt als zuständige Baurechtsbehörde haben wir nun ein Konzept für das Pfarrhaus, das die unterschiedlichen Belange berücksichtigt. So soll das bisher im 1.OG untergebrachte Pfarramt barrierefrei im Erdgeschoß eine neues Zu Hause finden. Die seither dafür genutzten Räume im 1.OG werden der Pfarrwohnung zugeschlagen, deren Räume sich damit alle auf einer Ebene befinden. Beim Raumprogramm für die Pfarrwohnung orientieren wir uns strikt an den Vorgaben der Pfarrhausrichtlinien, auf deren Einhaltung der Oberkirchenrat ein strenges Auge hat. 

Weiter soll durch eine Umgestaltung des Treppenhauses die Pfarrwohnung so abgeschlossen werden, dass die im Dachgeschoss liegenden Räume begehbar sind, ohne dass man wie in der Vergangenheit durch die Pfarrwohnung gehen muss. Die im DG liegenden Räume sollen nicht weiter ausgebaut werden und dienen zuvörderst als Lagerraum der Gemeinde, zum Beispiel für das Archiv.

Im Rahmen der notwendigen Bestandserhebung sind im Dezember 2018  die hierfür erforderlichen Arbeiten im  Pfarrhaus gelaufen. Die Böden sind bereits teilweise herausgerissen, die vor zehn Jahren eingebauten Dämmmaterialien sind ausgebaut worden, so dass jetzt der Umfang der notwendigen Baumaßnahmen einigermaßen eingeschätzt werden kann. Ebenfalls zur Erinnerung, in den vergangenen beinahe fünfzig Jahren sind am Pfarrhaus keine grundlegenden Instandsetzungsarbeiten durchgeführt worden, so dass wir einen erheblichen Sanierungsstau haben.

Der Baugenehmigung der Stadt für das Pfarrhaus steht nichts mehr im Wege. Des Weiteren haben wir eine Zusage des OKR zur finanziellen Unterstützung, sodass wir in naher Zeit mit der Sanierung beginnen können. Schließlich ist die wichtigste Aufgabe zunächst nach der Vakatur mit der Neubesetzung unserer Pfarrstelle einen adäquaten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.

Zum Schluss bitten wir Sie, dass Sie die Sanierung unseres Pfarrhofes mit Pfarrhaus, Säle, Kirche und Pfarrgarten, weiterhin im Gebet und auch durch herzlich willkommene Spenden aktiv unterstützen und es damit zu Ihrem persönlichen Projekt machen.
Vielen Dank dafür!  

Joachim Henrichsmeyer